Tianjin (Tiānjīn shì ‚Himmelsfurt-Stadt‘) ist eine wichtige Hafenstadt im Norden der Volksrepublik China und eine der vier Regierungsunmittelbaren Städte, d.h. direkt der Zentralregierung in Peking unterstellt. Tianjin hat damit denselben Status wie eine Provinz.

Tianjins gesamtes Verwaltungsgebiet hat aktuell ca 15 Millionen Einwohner bei einer Fläche von rund 12.000 km2 (das ist etwas kleiner als die Fläche Schleswig Holsteins).

Die Stadt ist Industriezentrum, Verkehrsknoten und kultureller Mittelpunkt der Region mit Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Das Verwaltungsgebiet Tianjins stellt kein zusammenhängendes Stadtgebiet dar, sondern wäre – mit seiner dominierenden ländlichen Siedlungsstruktur – eher mit einer kleinen Provinz vergleichbar. Historisch war Tianjin die Hauptstadt der ehemaligen Provinz Zhili. Vom Stadtzentrum Tianjins bis Peking sind es 120 Kilometer. Die Bohai-Bucht befindet sich 50 Kilometer östlich von Tianjin. Durch die Stadt fließt der Hai He-Fluss zur Bohai-Bucht.

Einwohnerentwicklung

Während sich die Einwohnerzahl Tianjins seit den 1950er Jahren verdoppelt hat, blieb sie seit Anfang der 1990er Jahre, u.a. auf Grund der Einführung der Ein-Kind-Politk, relativ konstant. In der Kernstadt mit hoher Bebauungsdichte und geschlossener Ortsform leben rund 3,8 Millionen Menschen mit Hauptwohnsitz. Die Bevölkerungsdichte beträgt 22.379 Einwohner pro Quadratkilometer.

Das gesamte Verwaltungsgebiet der Regierungsunmittelbaren Stadt hat 10,5 Millionen Einwohner (2007). Davon sind 9,5 Millionen registrierte Bewohner mit ständigem Wohnsitz und 1,0 Millionen temporäre Einwohner mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung. Die Bevölkerungsdichte beträgt 879 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Urbanisierungsrate für das gesamte Verwaltungsgebiet Tianjins wird mit 72 Prozent angegeben.

Wer sich länger als drei Tage in der Stadt aufhalten möchte, muss sich beim Amt für öffentliche Sicherheit melden und wird dort registriert. Der Antragssteller erhält dann eine zeitweilige Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate, die nach Ablauf der Frist verlängert werden muss. Beim Amt muss eine Bescheinigung vom Heimatort vorgelegt werden, die bestätigt, das die Person dort gemeldet ist.

Von den 9.848.731 Einwohnern Tianjins, die bei der Volkszählung im Jahre 2000 ermittelt wurden, waren 97,29 Prozent Han-Chinesen, 1,75 Prozent muslimische Hui-Chinesen, 0,57 Prozent Mandschu, 0,12 Prozent Mongolen und 0,11 Prozent Koreaner. Von den 56 offiziell anerkannten Nationalitäten Chinas sind nur vier nicht unter den Einwohnern Tianjins vertreten.

Die folgende Tabelle zeigt die Einwohnerzahlen der Kernstadt ohne Vorortgürtel. Aufgeführt sind die registrierten Bewohner mit Hauptwohnsitz in Tianjin.

Jahr               Einwohner

 

1860                  300.000

1896                  600.000

1939               1.081.000

1957               2.049.200

1970               2.291.000

1990               3.693.938

2000               3.771.900

 

Entwicklung der Wohnsituation

Nach wie vor prekär ist die Versorgung mit Wohnraum, wenn sich auch nach offiziellen

Angaben der Stadtregierung die Wohnfläche pro Kopf seit 1957 verdreifacht hat. Die kommunistische Stadtregierung war keineswegs untätig gewesen, bereits seit Anfang der 1950er Jahre wurden die Wohn- und Lebensverhältnisse in den Stadtvierteln mit unzureichendem Standard verbessert und viele neue Wohngebiete errichtet. In China rechnet man damit, dass in den nächsten Jahrzehnten weitere bis zu 350 Millionen Landbewohner in die städtischen Ballungsgebiete strömen werden.

Seit einigen Jahren ist die Tendenz zu erkennen, großflächige Neubausiedlungen in Verbindung mit Landschaftsparks, Golfplätzen und künstlich angelegten Seeuferpartien zu errichten. Diese Bauten liegen meist über dem normalen Standard, sind für eine gut verdienende Mittelschicht ausgelegt und für den Durchschnittsverdiener kaum erschwinglich. Ein besonderes Projekt ist die Errichtung einer ökologisch nachhaltigen Großsiedlung. Rund 24 Kilometer südlich von der Innenstadt entfernt wird rund um einen 7 Kilometer langen und 3 Kilometer breiten künstlichen See versucht, der Monotonität einer mit Hochbauten seriell bestückten Schlafstadt etwas anderes entgegenzusetzen. Die mehreren Quadratkilometer großen Areale östlich des Vororts Jinghai sollen sich zu etwa einem Drittel mit erneuerbarer Energie versorgen, ansonsten eine alltagstaugliche Infrastruktur und siedlungsnahe Arbeitsstätten erhalten. Die chinesische Regierung hat das Vorhaben zum Referenzprojekt für zukünftige Urbanisationen erklärt. Die ersten Wohnungen sind Anfang 2013 bezugsfertig, bis 2020 soll alles fertig sein.

 

Bildung

Tianjin besitzt zahlreiche Universitäten, Hoch- und Fachschulen, Forschungsinstitute sowie Bibliotheken. Zu den bedeutendsten Bildungseinrichtungen der Stadt gehören die bereits 1895 gegründete Tianjin-Universität, die Nankai-Universität (gegründet 1919) und die Tianjin University of Technology (gegründet 1960).

Weitere Universitäten in Tianjin sind:

  • Tianjin University of Science & Technology
  • Tianjin Polytechnic University
  • Civil Aviation University of China
  • Tianjin University of Technology and Education
  • Tianjin University of Commerce China
  • Tianjin University of Finance & Economics
  • Medizinische Universität Tianjin
  • Pädagogische Universität Tianjin
  • Tianjin University of Traditional Chinese Medicine
  • Fremdsprachenuniversität Tianjin

Weitere bedeutende Bildungseinrichtungen der Stadt sind:

  • Tianjin Academy of Fine Arts
  • Tianjin Agricultural College
  • Tianjin Conservatory of Music
  • Tianjin Institute of Physical Education
  • Tianjin Urban Construction Institute