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Tianjin Binhai Hi-tech Industrial Development Area

Geschichte

Die Geschite Tianjins umspannt Jahrhunderte. Den Namen Tianjin erhielt die Stadt von Kaiser Zhudi während der frühen Jahre der Ming Dynastie (1368–1644). In dieser Zeit erhielt es seine Vorrangstellung als stark befestigte Garnisonsstadt und Hafen für Peking. Unter der Qing-Dynastie (1644–1911), wurde Tianjin ein florierendes Handelszentrum.

Die Geschichte Tianjins vom Fischerdorf zur modernen Handelsmetropole ist stark mit der Geschichte Pekings verknüpft. Vom 11. bis 14. Jahrhundert war Tianjin ein kleiner Seehafen, der für den kaiserlichen Hof u.a. als Getreidelager hohe Bedeutung hatte. Später, als ursprünglich unabhängige Reiche im Süden Chinas unterworfen wurden, war die Stadt Durchgangshafen für die Tribute und Lieferungen aus jenen Reichen an die Hauptstadt. Im 13. Jahrhundert wurde, während der Yuan-Dynastie, der durch Tianjin führende Kaiserkanal fertiggestellt

Im 19. Jahrhundert wurden die seefahrenden Mächte aus dem Westen auf die Stadt aufmerksam. Infolge der Niederlage Chinas im Ersten Opiumkrieg erzwang Großbritannien durch den Vertrag von Nanking 1842 die Öffnung fünf südchinesischer Hafenstädte für seinen Handel. Unter einem Vorwand – chinesische Beamte hatten am 8. Oktober 1856 die unter britischer Flagge fahrende Arrow festgesetzt – erklärte das Vereinigte Königreich China erneut den Krieg. Auch in diesem sogenannten Zweiten Opiumkrieg, dem sich Frankreich aus vergleichbaren, handelspolitischen Motiven auf britischer Seite anschloss, erwiesen sich europäische Kanonenboote und Kriegsführung als überlegen. Mit dem am 27. Juni 1858 unterzeichneten Vertrag von Tianjin erhielten die siegreichen Europäer das Recht, auf dem chinesischen Festland weitere Konzessionen zu errichten. Als Gegenleistung war der Rückzug der Engländer aus Tientsin/Tianjin und die Räumung der Festung Dagu, 60 Kilometer südöstlich der Stadt, vorgesehen. China weigerte sich im Anschluss, den Vertrag umzusetzen. Daraufhin eröffneten die Briten im Juni 1859 mit einem erneuten Angriff auf Dagukou die zweite Phase des Zweiten Opiumkriegs. Erst nach dem Feldzug im Jahre 1860, im Rahmen dessen ein Invasionsheer unter Führung Lord Elgins unter anderem den Alten Sommerpalast in Peking in Schutt und Asche legte, bestätigte Prinz Gong in Vertretung des in die Mandschurei geflohenen Kaisers Xianfeng die Vertragsbedingungen. In der sogenannten Pekinger Konvention vom 18. Oktober 1860 wurden sie um weitere Punkte ergänzt, insbesondere die Öffnung des Hafens von Tientsin selbst, weitere Reparationsleistungen sowie Gebietsabtretungen an Großbritannien und Russland.

Auf dieser Grundlage errichteten zunächst Großbritannien und Frankreich (wie bereits in den 1840ern in Shanghai) in Tientsin südöstlich der ummauerten Stadt zwei Konzessionsgebiete, von denen aus Nordchina für den internationalen Handel erschlossen werden konnte. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Stadt als wichtiges Handels- und Kommunikationszentrum (als „Shanghai des Nordens“) unweit Pekings folgten bis 1895/1900 weitere Kolonialmächte (Russland, Japan, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Belgien und Italien) die ihrerseits mittels diplomatischen aber auch militärischen Drucks Folgeverträge aushandelten und separate Konzessionen entlang des Hai He anlegten. Diese – in dem jeweiligen nationalen Architekturstil bebauten – ausländischen Enklaven verfügten über ihre eigene Infrastruktur und Verwaltung. Die Konzessionen prägten die Entwicklung Tianjins zu einer modernen Stadt aber symbolisierten gleichermaßen die quasi-koloniale Durchdringung Chinas. Eine der Hauptstraßen, die durch diese europäischen Stadtviertel verlief (die heutige Jiefang Beilu), führte abschnittsweise Namen, die die jeweilige Herrschaft repräsentierten: „Rue de la France“, „Victoria Road“ und „Wilhelmstraße“. 1900 war Tientsin Schauplatz erbitterter Kämpfe im Rahmen des Boxeraufstandes, infolgedessen auch die geopolitische Bedeutung der Stadt mit verstärkten ausländischen Garnisonen wuchs. Die Konzessionen existierten de jure teilweise bis 1943 fort.

Aufstände und Japanische Besetzung

Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den privilegierten Ausländern entluden sich u.a. in den Ereignissen von Tientsin am 21. Juni 1870, dem sog. Tientsin-Massaker, als eine aufgebrachte chinesische Menge das französische Waisenhaus der Notre-Dame des Victoires (heutige Wanghailou Kirche) angriff. Anlass waren Gerüchte über gekaufte oder dorthin verschleppte chinesische Waisenkinder und sogar über Fälle von Kannibalismus seitens der europäischen Nonnen. Trotz Bemühungen chinesischer Beamter das Volk zu beruhigen, eskalierte die Situation, infolge derer der französische Konsul, Nonnen, Priester, weitere Ausländer und chinesische Christen getötet wurden. Man geht insgesamt von ca. 60 Opfern aus. Zwanzig Chinesen wurden daraufhin enthauptet und der Präfekt aus der Stadt verbannt.

Obwohl oder eher gerade weil Tianjin faktisch ein Protektorat der europäischen Fremdmächte war, stieg die Stadt nach Shanghai zum zweitgrößten Handels- und Kommunikationszentrum in China auf.

Als Zentrum des geheimen Widerstands gegen die Europäer war die Stadt im Sommer 1900 Schauplatz erbitterter Kämpfe im Rahmen des Boxeraufstandes. Von hier aus brach das von Soldaten aus acht Nationen gebildete Expeditionskorps (ca 2000 Soldaten) zum Entsatz des von Aufständischen und regulären kaiserlich-chinesischen Truppen belagerten Legationsviertels in Peking am 10. Juni 1900 auf, kam aber nicht durch und geriet selbst zwischenzeitlich in die Defensive. Mit der Anlandung größerer ausländischer Truppenkontingente (vor allem britisch-indischer, russischer, japanischer und US-amerikanischer Einheiten) und deren Ankunft in Tientsin am 14. Juli 1900 war die Verbindung zur Küste wiederhergestellt. In den Konzessionen erfolgte der Aufmarsch der nunmehr deutlich verstärkten multinationalen Armee (ca. 20.000 Soldaten), die am 13. August 1900 Peking erreichte und die eingeschlossenen Ausländer befreien konnte. Größere Teile der Altstadt einschließlich der Stadtmauer Tientsins wurden während der Gefechte zerstört, aber bald im europäischen Stil wieder aufgebaut. Schließlich trugen die Ausländer die Mauern und das alte Chinesenviertel ab, um die Bewohner besser im Blick zu haben.

Ein prominenter Resident Tientsins zur Zeit des Boxerkrieges war Herbert Hoover, der spätere 31. Präsident der USA, der damals als Bergbauingenieur in China tätig war. Nachdem er den wochenlangen Beschuss der ausländischen Konzessionen durch die „Boxer“ mit seiner Familie überstanden hatte, konnte er als Ortskundiger den nachgerückten US-Marines nützlich sein. Für Hoover war Tientsin eine „universal city – wie eine Welt in Kleinformat mit all ihren Nationalitäten, ihren Baustilen und ihren Küchen.“

Infolge des Boxeraufstandes und dessen Niederschlagung wuchs die geopolitische Bedeutung der Stadt aufgrund der verstärkten ausländischen Garnisonen.

Zwischen 1900 und 1909 ist die Stadt von einer internationalen Kommission verwaltet worden, in der jene Mächte vertreten waren, die Niederlassungen in Tientsin besaßen: Russland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Japan, Italien, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich.

Nachdem er aus der Verbotenen Stadt vertrieben worden war und sich in die Obhut der japanischen Gesandtschaft begeben hatte, übersiedelte Aisin Gioro Pu Yi, der letzte Kaiser der Qing-Dynastie, am 23. Februar 1925 nach Tientsin. Hier residierte er bis 1932 in einer herrschaftlichen Villa in der japanische Konzession und nahm rege am gesellschaftlichen Leben der kosmopolitischen Hafenstadt teil.

1927 erhielt Tianjin den Status einer selbständigen Stadt auf Provinzebene.

Mit Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges infolge des sog. Zwischenfalls an der Marco-Polo-Brücke (Lugouqiao) am 7. Juli 1937 bei Peking (damals Peiping) rückten japanische Truppen, die schon 1931 die Mandschurei besetzt hatten und weite Teil Nordchinas bereits kontrollierten, über die Große Mauer bei Shanhaiguan nach Süden vor. Am 29. Juli 1937 wurde Tientsin – insbesondere die der japanischen Konzession benachbarte Nankai-Universität als aktives Zentrum „anti-japanischer Agitation“ der nationalbewussten chinesischen Studentenschaft – von japanischen Flugzeugen bombardiert. Die wenigen schlecht geführten chinesischen Einheiten konnten kaum Widerstand gegen die Übermacht der japanischen Armee leisten, so daß die Stadt tags darauf fast kampflos eingenommen wurde und bis zum Ende des Krieges unter japanischer Besatzung stand. Die Hoheitsrechte der übrigen Kolonialmächte, mit denen Japan noch nicht im Krieg lag, wurden dabei zunächst respektiert, so da? die ausländischen Konzessionen fortbestanden. Es offenbarte sich mit der japanischen Blockade der britischen Konzession im Sommer 1939 aber schon bald, dass diese militärisch nicht zu halten waren. Noch vor Kriegseintritt Japans gegen die USA und Großbritannien zogen deren Garnisonen 1940 aus Tianjin ab.

In diese Zeit fällt der Ausbau des Hochseehafens Tianjin-Xingang.

Die Japanische Besetzung dauerte bis zum 15. August 1945, als US-amerikanische Streitkräfte nach Kapitulation Japans und damit Beendigung des Zweiten Weltkrieges in die Stadt einmarschierten. Im Dezember 1946 löste die Vergewaltigung chinesischer Frauen in Tianjin durch amerikanische Soldaten Proteste in der Stadt aus, die in einer großen Demonstration am 1. Januar 1947 kulminierten. Die US-amerikanischen Truppen zogen daraufhin im Juni 1947 aus Tianjin ab.

Kommunistische Regierungszeit

Kommunistische Truppen nahmen Tianjin am 15. Januar 1949 nach einer 29 Stunden dauernden Schlacht während des Bürgerkriegs mit den Kuomintang-Truppen ein. Nach der kommunistischen Übernahme blieb Tianjin zunächst ein selbständiger Stadtbezirk auf Provinzebene in China. 1958 wurde Tianjin Hauptstadt der Provinz Hebei und erhielt 1967 den Status einer Regierungsunmittelbaren Stadt.

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